Fest verbunden mit dem Thüringer Judosport und ihrem SV Schmalkalden 04, aber auch weltbekannt als Kampfrichterin wurde Angelika Wilhelm im April für ihr sportliches Engagenment in ihrem Verein, im Landesverband und in der Region mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.
Mit Akribie bereitet sie sich auf Rio de Janeiro vor. Dort wird sie bei den Paralympischen Spielen vom 7. bis 12. September zum vierten Male amtieren. Nach drei Spielen als Kampfrichterin (2004,2008, 2012) ist die 52-Jährige diesmal als IBSA-Kari-Direktorin der Unparteiischen im Einsatz, die die Wettbewerbe der Sehgeschädigten zu beurteilen haben. Darauf hat sich die Vorsitzende des Schmalkalder Vereins spezialisiert, die 2000 bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften in Halle erstmals angesprochen worden war, um bei den Sehgeschädigten zu schiedsen. Dank ihrer jahrelangen Erfahrung als Referee – sie hatte 1988 als erste Frau des DJV der DDR die B-Lizenz der Internationalen Judo-Föderation erworben – fiel es ihr sowohl national als auch international nicht schwer, sich in die doch etwas veränderte Kampfesweise der Athleten zu versetzen. „Im Wesentlichen wird nach den IJF-Regeln gekämpft. Die wichtigsten Veränderungen sind das Verhalten am Mattenrand, der Griff und dass noch weiterhin drei Kampfrichter auf der Matte agieren, „wenngleich wir uns auch da der IJF anpassen werden, allerdings erst nach den Paralympics“, sagte die Diplom-Ingenieurin für Informatik und jetzige Berufsschullehrerin. „Ich freue mich auf Rio, auch wenn die Verantwortung diesmal noch größer ist als bisher. Entscheidend ist, dass meine Kampfrichter-Kolleginnen und Kollegen korrekt arbeiten.“
„Das Niveau der Kämpfe im Sehgeschädigten-Judo ist in den vergangenen 10 Jahren sehr gestiegen. Auch wir sind ständig mit neuen Ideen gefordert, um das Niveau weiter zu erhöhen.“
Dass das Judo für Sehgeschädigte in Deutschland und damit auch in Thüringen bezüglich Masse leider unterentwickelt ist, macht Angelika Wilhelm weniger Freude. Da ist dringend Nachholebedarf gefordert.
Ausgestattet mit der IJF-Lizenz hat sie bisher neben den 3 Paralympics bei 10 Welt- und 19 Europameisterschaften und der IBSA-Titelkämpfe verschiedener Altersgruppen geschiedst. Sie ist Trägerin des 7. Dan, Mitglied der DJB-Kampfrichterkommission und seit 1990 Kampfrichter-Chefin des Landesverbandes. In Schmalkalden ist und bleibt sie bodenständig. Hier habe sie 1975 mit dem Judosport begonnen, war DDR-Vizemeisterin und von 1995 bis 2005 Trainerin im Talentleistungszentrum Thüringen. Zu ihren Schützlingen gehörte u.a. Danny-Paul Kiel, EM-Dritter U18 und mehrfacher Deutscher Nachwuchsmeister. Allen, mit denen sie auf und neben der Judo-Matte zu tun hat, gibt Angelika mit auf den Weg: „Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.“
(Text: Karl-Heinz Otto)